Ich bin gerne Softwareentwickler. Ich schreibe gerne Code. Ich plane gerne Software. Ich diskutiere gerne über Software im Allgemeinen und Code im Speziellen. Ich evaluiere gerne Neues. Ich setze auch gerne eben das Neue ein. Ich verlasse mich aber auch gerne auf Bewährtes. Was ich aber überhaupt nicht gerne habe: Die steigende Anzahl an Entwicklern (manche gar als Experten angesehen) die nur am Nörgeln sind, wie rasant sich alles ändert, dass es ständig etwas Neues gibt, nichts beim Alten bleibt und sowieso alles Kacke ist.

Ausgangspunkt ist – unter anderem – dieser Beitrag hier. Die Aussagekraft geht gegen NULL (einmal davon abgesehen, dass im Beitrag ohnehin nur Werbung für zwei Bücher gemacht wird, wovon mindestens eines davon durch den Beitrag unglaubwürdig erscheint). Nein, eigentlich werden gerade die Beginner, die – eben durch diese Vielfalt – Verunsicherten, in eine Nische getrieben, in der sie sich in ein, zwei Jahren nicht wiederfinden wollen. Hier am Beispiel der ASP.NET Webforms.

Es stimmt. Die Vielfalt ist niederschmetternd. Täglich neue Bibliotheken. Täglich neue Möglichkeiten. Die ToDo-Listen werden länger und länger. Man möchte sich alles ansehen, alles testen. Man muss ja Bescheid wissen. Up-to-date sein. Man muss ja mitdiskutieren können. Ja keinen Angriff für einen Flame bieten. Sich auskennen. Auch einmal Hater sein dürfen.

Muss ich als Softwareentwickler alles wissen? Nein. Kann ich das überhaupt? Nein. Kann ich eben nicht. Ich kann mich aber täglich von der Angst treiben lassen, einmal zugeben zu müssen, dass ich nicht alles weiß. Ich kann dem auch entgegen arbeiten und allen meinen Freunden laufend mitteilen wie Kacke ich es finde, dass täglich alles neu ist – und ihnen vorschlagen, sich Scheuklappen aufzusetzen.

Besinne dich auf die wichtigen Dinge deines Jobs.

Dabei ist es doch unerheblich was denn da täglich an neuen Bibliotheken und Services durch die Timeline schwappt. Viel wichtiger ist im ersten Schritt was ich denn für meine tägliche Arbeit tatsächlich benötige. Darin muss ich mich vordergründig weiterentwickeln und zu einem Experten werden. Dann kann ich mich um weiterführende Techniken/Technologien/Bibliotheken kümmern. Oder eben wenn tatsächlich der Bedarf besteht. Dabei muss eines sichergestellt sein:

Lass dich niemals in eine Ecke drängen aus der es kein Entkommen gibt.

Wenn ich daher zurück zum Thema Webforms kommen darf: Hier werde ich als Entwickler eingeschränkt, da mir sehr viel an Freiraum/-heit genommen wird. Als Entwickler möchte ich aber vieles steuern können. So möchte ich Client und Server getrennt haben. Ich möchte später eventuell andere Clients anbinden. Ich will frei in meiner zukünftigen Entscheidung sein – wie auch immer sie aussieht. Ich weiß es heute schlicht nicht. Mit “Experten”-Tipps wie hinter obigem Link verborgen werden unsichere/unerfahrene Entwickler aber eben in die Falle gelockt. Von Entwicklern die es eigentlich besser wissen sollten.

Ein ebenfalls wichtiger Leitsatz (zumindest für mich):

Abhängigkeiten gering halten.

Viele Abhängigkeiten bedeuten nicht nur viel Pflegeaufwand, häufiges Upgraden, sondern auch mitunter vorkommendes Brechen von APIs inkl. aller damit resultierenden Probleme. Wenn ich mich als Entwickler jedoch auf eine Abhängigkeit einlasse, dann muss es einen klaren Grund, eine klare Erleichterung geben. Dafür bedarf es einer anständigen Evaluierung, ausreichende Tests und natürlich auch ein Gespür hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung. Ein guter Indikator ist hier durchaus die Unterstützung durch die gesamte Community.

Reflektiere die Information

Ein weiterer wesentlicher Punkt. Informationen im Web sind geduldig. Jeder stellt sein Werk als besonders wertvoll dar. Ist es das auch tatsächlich? Sprich doch mit deinen Kollegen und/oder Freunden darüber. Vielleicht kannst du auch in der Community darüber diskutieren, vielleicht hat bereits jemand damit Erfahrung gemacht und möchte diese teilen. Dadurch lassen sich sehr viele Probleme vermeiden, vielfach auch eine falsche Wahl.

Fazit

Wissen was angesagt ist, wo ich notfalls Informationen darüber bekomme, aber ich muss nicht jeden Schritt mitgehen. Als Entwickler bin ich aber dafür verantwortlich dass ich zukunftssicher (jaja, Buzz-Word) unterwegs bin. Eine offene Einstellung ohne in Panik zu verfallen hilft hier jedoch ungemein. Von Entwicklern, die in der ersten Reihe stehen und andere mit Informationen versorgen (wollen) oder sie gar weiterbildet, erwarte ich mir schon Weitblick und keine Panikmache.

Über den Autor

Norbert Eder

Ich bin ein leidenschaftlicher Softwareentwickler und Fotograf. Mein Wissen und meine Gedanken teile ich nicht nur hier im Blog, sondern auch in Fachartikeln und Büchern.

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  • […] soll? Ich bin zu dem gleichen Entschluss wie Norbert Eder gekommen, der auf seinem Blog auch einen Artikel zu dem Beitrag geschrieben hat. Die Aussage des Beitrags von Dr. Holger Schwichtenberg geht gegen […]