Jeden Tag erblicken neue Services das Licht des Internets. Als Web-affiner Mensch muss man natürlich überall dabei sein. Wenn wenn schon das nicht, dann weil die Twitter– oder Facebook-Timeline voll mit Meldungen dazu sind. Ein “Druck” der zwar kein echter ist, aber man muss es gesehen haben, um “dabei zu sein”. Doch irgendwann siegt das Rauschen, denn Mehrwerte werden nicht (oder kaum) hinterfragt. Langsam aber sicher steigt die Unzufriedenheit. Anfangs unbemerkt, wird das Gefühl aber schnell größer. Der Weg raus aus dieser Falle …

Hinterfrage deine Online-Präsenz

Lange Zeit habe ich überall mitgemacht. Sei dies bei Twitter, Facebook, Google+, Xing, Linkedin und vielen, vielen weiteren “Netzwerken” und Plattformen. Man möchte ja gesehen werden, seine Inhalte “publizieren” und Kontakte aufbauen bzw. pflegen. Anfangs funktioniert das in den jeweiligen Services auch ganz gut, je mehr Menschen jedoch teilnehmen, umso weiter driften Beiträge in einen nichtssagenden Strudel ab. Katzen-Fotos hier, Baby-Fotos da. Das ist ja alles schön und gut und jedem das Seine. Hinterfragt werden muss jedoch der Nutzen für einen selbst. Was möchte man mit seinem Auftritt auf Plattform XY erreichen, welche Informationen möchte man beziehen usw. Es ist sinnlos überall mitzumachen. Konzentrieren kann man sich nun mal nicht auf 10 Social Media Plattformen.

Nervige Ablenkungen

Der Grundgedanke hinter Netzwerken á la Xing und Linkedin sind eigentlich ganz gut. Gerade bei Xing war ich seit 2007 dabei. Anfangs wurden fleißig Kontakte aufgebaut, auch an Diskussionen teilgenommen. Vor zwei bis drei Jahren haben dann Headhunter und Co. den “Antrieb” übernommen. Waren diverse Anfragen zu Beginn meiner Teilnahme noch persönlich formuliert und auf ein bestimmtes Projekt hin ausgerichtet (unter Berücksichtigung meiner angegebenen Skills), ging es zunehmend nur mehr um Masse. Die Anreden wurden unpersönlich, das angebotene Skills-Set wird nicht mehr berücksichtigt. Dass Xing es den Headhuntern sehr einfach macht, ist bekannt. Bei Linkedin sieht es übrigens nicht viel anders aus. 99% der erhaltenen Kommunikation sind unbrauchbar, gänzlich wertfrei.

Wirklich wichtige und gehaltvolle Hinweise, Anfragen etc. kommen über ganz andere Kanäle herein, meist direkt über meine Website und dem Kontaktformular. Andere über Empfehlung und daher per E-Mail.

Soviel zu den Karriere-Plattformen. Auf den reinen Social Media Plattformen sieht es nicht anders an. Die Timelines sind voll mit Information. Aber kaum eine ist wirklich nützlich. Sich alles durchzulesen (oder einfach nur mal schnell darüber zu scannen) ist mühsam und bringt nicht den gewünschten Erfolgt. Die für einen gerade gesuchte Information kommt ohnehin über andere Wege herein. Anstatt sich dieser Ablenkung hinzugeben, sollte man sich wirklich überlegen, womit man seine Zeit tatsächlich verbringen möchte. Das millionste Katzenfoto kann es nicht sein.

Plane und verwerfe alles Unnötige

Man sollte sich daher über einige Punkte ausführlich Gedanken machen:

  • Nach welchen Informationen bin ich auf der Suche?
  • Wo finde ich diese Informationen?
  • Wie komme ich am besten an diese Informationen?
  • Möchte ich die Informationen immer erhalten, oder dann wann ich möchte?
  • Wie kann ich Rauschen vermindern bzw. ganz vermeiden?

Wieder verstärkte Nutzung von RSS

Hatte ich vor Jahren RSS sehr stark genutzt um interessante Informationen zu bekommen, vernachlässigte ich diese Form in den letzten Jahren sehr stark. Mittlerweile habe ich meine Quellen zur Gänze entfernt und wieder neu organisiert. Es hat sich gezeigt, dass mein damaliger Ansatz für mich einfach nicht gut war. Ich hatte meine Feeds thematisch geordnet. Das Thema – gerade von Blogs – ändert sich jedoch laufend und somit ist die Feed-Organisation immer falsch. Mittlerweile habe ich noch drei Kategorien:

  • Wichtig: Hier sind die Feeds enthalten, die mit nahezu jedem Beitrag wichtige Informationen enthalten. Entsprechend wenige Einträge sind hier vorhanden.
  • Mittel: Das sind Feeds die nicht immer wertvolle Informationen enthalten, aber durchaus gelesen werden sollten
  • Wenn Zeit bleibt: Feeds für freie Minuten, in denen man keinen anderen Aktivitäten nachgehen kann. Vielleicht ist ja etwas Interessantes dabei.

Bei diesem System muss man sich keine langen Gedanken über die Einfächerung machen. Entweder wird ein Feed ohnehin nicht aufgenommen, oder er fängt ganz unten an und arbeitet sich – so die Inhalte passen – stetig nach oben. Ändert sich die Qualität kann es auch nach unten gehen, bis hin zur vollständigen Entfernung des Feeds. Welche Themen darin gerade angesprochen werden, ist irrelevant. Schließlich kann man filtern, suchen etc.

Verkleinerung der Twitter-Timeline

Im Laufe der Jahre folgte ich immer mehr Personen. Oft folgt man ihnen auch nur, da sie einem folgen und man daher seine “Verbundenheit” zeigen möchte. Das ist in Wahrheit einfach Blödsinn. Mittlerweile habe ich die Anzahl der Personen die ich folge auf ~50 gedrosselt. Diese bringen Mehrwert, mit ihnen diskutiere ich laufend. Alles andere an Informationen hole ich mir über die Suche zu einem bestimmten Thema. Eben genau das, was mich aktuell wirklich interessiert und wozu ich weiterführende Informationen haben möchte. Das Rauschen in meiner Timeline hat sich vermindert, ich muss nicht mehr alle zig Minuten reinsehen um nicht etwas zu versäumen und spare mir so wirklich viel Zeit.

Löschung Facebook

Facebook bringt für mich überhaupt keinen Mehrwert. Wen kann es schon interessieren, dass jemand Probleme mit seinem Stuhlgang hat? Interessante Links (die ohnehin selten geworden sind) bekomme ich auch über Twitter bzw. meinen RSS-Feeds herein. Aber man möchte ja sichtbar sein, anderen eine Möglichkeit bieten, erreicht werden zu können. Nun, ganz ehrlich? Wer mich erreichen möchte und eine wichtige/interessante Information für mich hat, der hat entweder meine Kontaktinformationen schon, oder findet diese auch auf einem anderen Weg. Deswegen habe ich mir diesbezüglich auch ein Datum gesetzt: Am 15. Juli ist es vorbei mit Facebook. Bis dahin werde ich auch kaum noch dort aktiv sein. Den Chat habe ich gänzlich abgedreht, viele Informationen bereits entfernt. Daher könnte ich den Schritt sofort setzen, gebe meinen “Freunden” aber noch eine Woche Zeit, Kontaktdaten auszutauschen, sofern nicht ohnehin schon passiert. Meine Apps auf diversen Gadgets habe ich bereits entfernt, da gibt es keine Benachrichtigungen mehr. Ein schönes Gefühl.

Löschung Xing

Mein Ära auf Xing ist seit gestern Geschichte. Der Account wurde – mangels Mehrwert (für mich) – gelöscht. Damit habe ich eine Plattform weniger zu “warten” (habe ich in den letzten Monaten ohnehin nicht mehr gemacht). Abgesehen davon ist somit ein Kanal versiegt, über den Informationen über mich verteilt/vertrieben/verkauft/whatever werden können.

Löschung Linkedin

Linkedin habe ich aktuell noch am Laufen, aber auch aus dieser Plattform werde ich mich zurück ziehen. Bis auf das Hinzufügen von Kontakten hat sich dort nie etwas getan, und ich selbst habe auch wenig Interesse meine Zeit dafür aufzuwenden. So gesehen also nutzlos für mich. Daher werde ich mich auch von diesem Ballast befreiten. Dies wird in den nächsten Tagen geschehen.

Was bleibt?

Einige meiner Accounts bleiben jedoch bestehen und werden auch weiterhin genutzt:

Google+

Zwar ist das ein Dienst der größten Datenkrake im Internet, dennoch noch diejenige, die am themenorientiertesten ist und tatsächlich auch die Möglichkeit bietet an interessante Informationen zu kommen. Kontakt kann über mein Profil hergestellt werden.

Twitter

Wie bereits oben erwähnt, bleibt mein Twitter-Account auch bestehen. Diesen nutze ich um mit der Community in Kontakt zu bleiben bzw. um nach Informationen zu suchen.

Meine Website

Natürlich bleibt meine Website bestehen. Dafür wird es jedoch eine Konzept-Änderung geben, die Schritt für Schritt wirksam werden wird.

Fazit

Wenn sinnlose Information Überhand nimmt, muss man handeln um nicht in diesem Sumpf zu versinken. Mit den bis jetzt durchgeführten Änderungen lebt es sich schon wieder viel besser, die Ablenkung ist geringer und Lebensgefühl kehrt wieder zurück, da man sich vermehrt auf das reale Leben konzentriert und das ist das, was zählt.

Über den Autor

Norbert Eder

Ich bin ein leidenschaftlicher Softwareentwickler und Fotograf. Mein Wissen und meine Gedanken teile ich nicht nur hier im Blog, sondern auch in Fachartikeln und Büchern.