Über Microservices gibt es zahlreiche Bücher und noch viel mehr Artikel. Darin finden sich darin auch viele Erfahrungen, Tipps, Meinungen und jede Menge Vorteile. Als einer dieser Vorteile taucht gerne die Wahlfreiheit der verwendeten Sprache/Plattform auf. Darauf möchte ich in diesem Beitrag näher eingehen.

Grundaussage

Ein Microservice ist eigenständig. Es läuft in einer passenden Umgebung. Alleine, oder zusammen mit anderen Microservices. Jedes Microservice kann für eine andere Plattform/Programmiersprache (C++, Java, .NET, Haskell, Rust, etc.) entwickelt werden.

Die Vorteile:

  • Die Umsetzung kann mit der Plattform/Programmiersprache umgesetzt werden, mit der sich die Anforderungen am besten abbilden lassen.

  • Softwareentwickler müssen nicht mehr dieselbe Plattform/Programmiersprache lernen, sondern können ein Microservice mit bereits vorhandenen Kenntnissen umsetzen. Das spart Zeit und bietet Vorteile bei der Suche neuer EntwicklerInnen.

Was bedeuten diese Vorteile in der Realität?

Machbarkeit/Realitätsnähe

Bei der Mitarbeitersuche nicht mehr auf eine Plattform Rücksicht nehmen zu müssen, klingt gut. Gerade in Zeiten, in denen jeder Softwareentwickler umkämpft, wie nie zuvor, ist.

Für das Unternehmen (und in weiterer Folge auch den Mitarbeitern) ergibt sich jedoch ein anderes Bild:

  • Neue Plattformen benötigen zusätzliches Know-how. Eine Entwicklungsmaschine ist schnell eingerichtet, für den Produktivbetrieb gelten andere Anforderungen hinsichtlich Administration, Konfiguration, Sicherheit usw. Es entstehen zusätzliche Kosten und Risiken.

  • Wer pflegt und führt die Weiterentwicklung fort, wenn der ursprüngliche Entwickler nicht (mehr) verfügbar ist? Durch Krankheit, Unfall oder Kündigung kann ein erheblicher Aufwand durch Know-how-Verlust auf das Unternehmen zukommen. Nicht selten wird Software neu entwickelt, weil dies insgesamt günstiger kommt.

  • Um Themen wie Performance-Optimierungen etc. bewältigen zu können, bedarf es tiefgreifenden Wissens über den Technologiestack. Denselben Grad an Tiefe über mehrere Plattformen hinweg aufzubauen und dabei auch am aktuellen Stand zu bleiben, ist eine aufwändige und damit kostenintensive Angelegenheit – und auf lange Frist in der Regeln nicht machbar.

Bei einem Blick auf die Unternehmensverteilung in Österreich, sind 99,8% der Unternehmen laut WKO im Jahr 2017 99,8% der Unternehmen den KMU zuzuordnen (0-249 Mitarbeiter). In Deutschland sieht dieses Bild ähnlich aus. Hier sind es laut Statista 99,6%.

Internationale Großkonzerne sind aufgrund der vorhandenen Mittel im Vorteil. Einschlägige Softwareunternehmen an der oberen Grenze, die zudem mit einem einzigen Produkt am Markt sind, könnten dies ebenfalls bewältigen. Der Rest sollte tunlichst die Finger davon lassen.

Fazit

Nicht jeder genannte Vorteil, entpuppt sich als solcher. Microservices haben ihre Daseinsberechtigung. Einzelne Services auf unterschiedlichen Plattformen aufsetzen zu können, kann in manchen Fällen tatsächlich sinnvoll und hilfreich sein. Tatsächlich muss dies im Sinne der Wirtschaftlichkeit hinterfragt werden und keinesfalls frei von jedem Entwickler im Unternehmen entschieden werden können.

Über den Autor

Norbert Eder

Ich bin ein leidenschaftlicher Softwareentwickler und Fotograf. Mein Wissen und meine Gedanken teile ich nicht nur hier im Blog, sondern auch in Fachartikeln und Büchern.