Vor einigen Monaten habe ich darüber geschrieben, was denn ein Team-Leader für sein Team tun kann bzw. überhaupt sollte. Nun ist doch ein wenig Zeit vergangen und ich habe unterschiedlichste Experimente vorgenommen – hauptsächlich um die Kommunikation und das Teamgefüge zu verbessern. Meine Erfahrung dabei: die kleinsten Umstellungen wirken am besten! In diesem Beitrag möchte ich aus den Erfahrungen der vergangenen Monate berichten.

Ausgangslage

Mein Team hat harte Zeiten hinter sich. Auch wurde es immer wieder durcheinander gewürfelt. Neue Kollegen, Splittung in mehrere Teams, erneute Zusammenführungen und vieles mehr ist in den letzten Jahren passiert. Gepaart mit zu viel Arbeit und zu wenig Ressourcen ist das für die Teamkultur nicht gerade förderlich. Im Gegenteil. Langsam aber sicher entwickelt sich jeder zum Einzelkämpfer und verhält sich dementsprechend abgeschottet. Eine Entwicklung die bei uns quasi über Jahre ging.

Kleine Änderungen führen zum Ziel

Oder zumindest in die richtige Richtung. Nachfolgend möchte ich einige der vorgenommenen Veränderungen aufführen. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass jedes Team anders ist. Einige der besprochenen Probleme werden in anderen Teams nicht auftreten, dafür möglicherweise andere Schwachstellen.

Umbau Büro

Ganz wichtig ist das Klima im Büro. Wir hatten über Jahre hinweg ein sehr steriles Büro. Kaum Pflanzen, wenig Drumherum. Durch einen neuen Büro-Plan haben wir ein wesentlich größeres Büro für unser Team bekommen und haben dieses gemeinsam geplant. Die Tische wurden so aufgestellt, dass eine direkte Kommunikation vereinfacht wird, Beamer für Präsentationen, Code Reviews (oder aber auch manchmal Skifahren), Konferenzen. Ein eigener Besprechungstisch, zur Unterhaltung ohne PC. Auch ist es mittlerweile sehr grün. So mancher mag nun lächeln (was auch gesund ist), aber selbst Duftkerzen haben ihren Weg ins Büro gefunden. Auch sonstiger Dekor darf nicht fehlen, obwohl wir ein reines Männerbüro sind.

Dies wirkt sich nur in kleinen Teilen auf die tatsächliche Kommunikation aus, jedoch ungemein auf das gesamte “Raumklima”.

Kopfhörer

Musik ist heute immer und überall. Gerade am Arbeitsplatz ist man schnell dazu geneigt, einen Kopfhörer aufzusetzen. Für komplexe Problemstellungen ist es ein einfaches Mittel zur Abschottung und Fokussierung. Nachteilig daran ist jedoch, dass dies schnell zur Gewohnheit wird und das Team die Arbeitszeit mit aufgesetzten Kopfhörern verbringt. Wie also bereits angesprochen: Alles Einzelkämpfer. Keine gute Ausgangslage für eine funktionierende Kommunikation.

Als Lösung haben wir uns darauf geeinigt, einen Medienserver inkl. Boxen aufzustellen. Musik aus unterschiedlichen Genres wird darüber gespielt (damit für jeden etwas dabei ist, wobei sich glücklicherweise unser Musikgeschmack deckt). Kopfhörer sind – laut Team-Bescheid – nur mehr für Spezialfälle vorgesehen.

Team-Chat

Neben der täglichen Arbeit läuft ein Team-Chat über den in den letzten Jahren sämtliche Fragestellungen/Probleme/etc. abgehandelt wurden. Hierbei spielt auch mit, dass mein Team über zwei Standorte verteilt ist und so eine einfache Kommunikationsmöglichkeit geboten wird. Das bietet zwar den Vorteil, dass innerhalb der Nachrichten gesucht werden kann, aber dies bringt auch einen gewaltigen Nachteil mit sich: Vielfach werden wichtige Fragen einfach nicht beantwortet. Dafür gibt es viele Gründe:

  • Man will aktuell nicht gestört werden
  • Es ist einem schlicht zu blöd jetzt eine Antwort schreiben zu müssen
  • Die Benachrichtigungen wurden deaktiviert
  • Etc.

Mittlerweile haben wir den Team-Chat noch für wichtige Ankündigungen, mehr aber in Wirklichkeit auch nicht mehr. Vielmehr ist es nun so, dass jemand mit Frage aufsteht, seine Frage an das Team formuliert und sich einige Minuten später wieder mit einer Lösung hinsetzt. Die anfängliche Befürchtung ständig aus der Arbeit gerissen zu werden hat sich nicht bewahrheitet. Es kristallisiert sich heraus, dass die Fragen immer weniger, dafür jedoch schwergewichtiger werden. Durch die Diskussionen um die beste Lösung wird sehr viel Wissen transferiert, das dem gesamten Team zu Gute kommt. Entsprechend verlagern sich auch die Themengebiete der Fragen.

Da war doch noch etwas: zwei Standorte. Im ersten Schritt versucht der Standort selbst seine Frage zu klären (die Ergebnisse werden in diesem Fall jedoch schon über den Team-Chat mitgeteilt), ist dies nicht möglich gibt es ein “Online-Meeting”.

Online-Meetings

Wie bereits angesprochen: Mein Team ist über zwei Standorte verteilt. Dies macht Meetings nicht gerade einfacher. Ein klassisches Online-Meeting-System haben wir nicht im Einsatz. Bis dato wurden alle über den gewählten Kommunikationskanal angerufen, saßen vor ihren Rechnern mit Kopfhörer und haben mehr oder weniger am Meeting teilgenommen. Eher weniger.

Auch dies läuft nun anders: Bei Meetings setzen wir uns nun alle gemeinsam an unseren Besprechungstisch, oder stellen uns einfach zusammen (wie wir das in unseren Standup-Meetings machen – was Ralf im Übrigen nicht gut findet). Laptops sind nur für den “Schriftführer” zugelassen, es soll keine Ablenkung geben. Damit die Übertragung des Gesprochenen gut funktioniert, haben wir uns ein 3-teiliges Flächenmikrofon gekauft und ausgelegt (anfänglich haben wir günstigere Lösungen probiert, die alle nicht zufriedenstellend funktioniert hatten).

Flächenmikrofon AKG CBL 410 PCC

Im nächsten Schritt werden wir wohl auch ein wenig in Richtung Videoübertragung gehen um die entfernten Teammitglieder noch besser eingebunden zu haben.

Gemeinsame Aktivitäten

Als nächsten Schritt unternehmen wir nun monatlich etwas gemeinsam. Nur das Team. Nicht weiter aufregend: Wir gehen Steak essen. Wie Männer das gerne tun. Die ungezwungene Atmosphäre, das lockere Beisammensitzen, das Besprechen von Anliegen auf neutralem Boden ist ein gewaltiger Nährboden für das Zusammenwachsen des Teams.

Unser Unternehmen veranstaltet zwar in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen größere Zusammenkünfte mit gemeinschaftlichem Essen, Wettkämpfen und mehr. Es ist jedoch extrem wichtig, dass jedes Team für sich selbst auch einen Weg und ein paar Stunden Freizeit findet, in kleiner Runde etwas zu unternehmen. Auf Dauer gesehen bringt dieser Aspekt aus meiner Sicht am meisten. Es verändert sich der tägliche Umgang miteinander merkbar. Dabei geht es weniger darum Freunde für’s Leben zu finden, sondern sich vielmehr auf eine gemeinsame Basis der Kommunikation zu “einigen” – was im übrigen automatisch passiert.

Fazit

Natürlich hat es noch weitere kleinere Änderungen gegeben, die angesprochenen waren mitunter wohl die größten bis dato. Jedes Team hat andere Baustellen die man erkennen und aktiv (vor allem gemeinsam) angehen und lösen muss. Da mag man durchaus zeitweise ratlos durch die Gegend laufen, aber es gibt Möglichkeiten und die einfachsten ist dann doch meist die besten. Weniger Egoismus und mehr Gemeinschaft im Team birgt für jeden Vorteile, vor allem aber enden Anschwärzungen, das Herumreiten auf Bugs anderer und gar schlimmere Vorkommnisse. Es tritt ein “Gemeinsam machen wir etwas wirklich tolles” in den Vordergrund. Der Grundstein für eine positive Weiterentwicklung.

Hast auch du zu diesem Thema etwas aus deiner Erfahrung zu berichten? Arbeitest du auch in einem Team mit “offenen Wunden”? Oder habt ihr diese bereits gelöst? Ich würde gerne davon erfahren!

Über den Autor

Norbert Eder

Ich bin ein leidenschaftlicher Softwareentwickler und Fotograf. Mein Wissen und meine Gedanken teile ich nicht nur hier im Blog, sondern auch in Fachartikeln und Büchern.