Produktentwicklung ist eine richtig schwierige Angelegenheit und birgt zahlreiche Gefahren in sich. Da bedarf es nicht nur ordentlicher finanzieller Mittel, sondern auch einiges an Mut. Mut zu Entscheidungen, die gerade den ersten Kunden nicht wirklich gefallen werden.

Produktentwicklung ist eine richtig schwierige Angelegenheit und birgt zahlreiche Gefahren in sich. Da bedarf es nicht nur ordentlicher finanzieller Mittel, sondern auch einiges an Mut. Mut zu Entscheidungen, die gerade den ersten Kunden nicht wirklich gefallen werden.

Bedarf erkennen und Lösung anbieten

Wer mit einem Produkt erfolgreich sein möchte, muss einen konkreten Bedarf erkennen und lösen können. Entweder besitzen viele denselben Bedarf und es gibt noch keine Lösung hierzu oder man schafft es, einen Bedarf mit dem eigenen Produkt zu wecken.

Idealerweise ist man selbst der Mittelpunkt des Bedarfs und will das zu schaffende Produkt vorrangig für sich selbst einsetzen.

Die Grundidee, quasi die Vision des Produkts, muss an alle Beteiligten kommuniziert werden. Wer daran mitarbeitet, muss dahinter stehen um das Ziel mit Nachdruck verfolgen zu können. Große Zweifel an der Lösung, des gewählten Weges oder aber auch des Umfanges können das Projekt sehr schnell scheitern lassen.

Konsequente Verfolgung des Ziels

Der wohl wichtigste Schritt in der Produktentwicklung ist das Schaffen einer ersten verkaufbaren Version. Das sollte ein möglichst kleines Set des zu erreichenden Ziels sein. Dennoch muss es einen klaren Nutzen bringen, soll es auch verkauft werden können.

Dazu ist es unabdingbar, hartnäckig in die gewünschte Richtung zu arbeiten. Natürlich werden sich einige Dinge anders entwickeln als zuvor geplant, Ablenkungen sollten aber ferngehalten werden.

Essentiell ist aus meiner Sicht, diese erste Phase ohne gröbere Änderungen zu beenden. Das bedeutet:

  • Verkaufbarer Umfang definieren
  • Marketing / Vertrieb darauf abstimmen
  • Definierten Umfang entwickeln

Gerade in dieser Phase darf es keine Richtungsänderungen geben. Das würde das Produkt bereits in den Anfängen auf einen instabilen Boden stellen (sowohl technologisch, als auch in den Köpfen der involvierten Personen).

Nicht von Kunden steuern lassen

Jedes Produkt startet mit einem bzw. wenigen Kunden. Diese melden zurück, hätten gerne diese Verbesserung und diese Änderung. Außerdem hätten sie das auch gerne so, denn so arbeiten sie, nicht anders.

Natürlich muss man sich die Rückmeldungen der Kunden genau ansehen und sie teilweise (!!) einfließen lassen. Wie und was davon ins Produkt übernommen wird, entscheidet aber nicht der Kunde. Man darf sich hier nicht zu sehr treiben lassen. Tut man das, verlässt man den direkten Weg zu seinem Ziel. Das hat natürlich Implikationen auf den Zeitpunkt der Fertigstellung, den Umfang des Produktes usw.

Gerade hinsichtlich des Produktumfanges können flankierende Aufgaben Änderungen erfahren. Man denke hier an die Vorbereitung zu Marketing-Maßnahmen. Auch diese müssten sich ändern, sollte es zu größeren Änderungen aufgrund von berücksichtigten Kundenwünschen kommen. Das kann gewollt sein, wenn eine Idee so gut ist, dass sie unmöglich ignoriert werden kann. Meist sind die Änderungswünsche jedoch nicht strategischer Natur.

Man muss sich und dem Kunden vor Augen halten, dass ein “Standard-Produkt” nicht alle Wünsche aller Kunden berücksichtigen kann. Dafür ist es preislich wesentlich günstiger zu haben und deckt schon viele der Grundanforderungen ab.

Kundenspezifische Anpassungen vermeiden

Kundenspezifische Anpassungen werden gerne als zusätzliche Leistung angeboten. So hat man ein Standard-Produkt das für viele potentielle Kunden verfügbar ist. Auf Wunsch (und mit entsprechender Gegenleistung) bekommt der Kunde zusätzliche Funktionen oder aber Erweiterungen bestehender Möglichkeiten.

Das klingt gut, immerhin kann man sich so eventuell die Produktentwicklung (die zugegeben teuer ist) (mit)finanzieren lassen.

Dieses Vorgehen hat allerdings auch ein paar Nachteile:

  • Damit das Produkt für Kunden angepasst werden können, müssen Konfigurationsmöglichkeiten geschaffen werden wo vorher keine notwendig waren.
  • Sollen bestehende Funktionen für Kunden erweitert/verändert werden, müssen auch hier Mechanismen vorgesehen werden, damit ein austauschbares Eingreifen möglich ist. Das erhöht die Komplexität, Fehleranfälligkeit und Wartbarkeit der Anwendung.
  • Die Produktentwicklung steht natürlich nicht still und so kann es zu Veränderungen an den bestehenden Mechanismen geben. Diese Änderungen sind bei allen Kundenerweiterungen nachzuziehen. Wird dies hinausgezögert, wird irgendwann der anstehende Aufwand nicht mehr akzeptiert. Das Resultat ist die Verwaltung und Pflege von unterschiedlichen Versionen (meist Major-Versionen mit eigenen Änderungen/Erweiterungen).
  • Diese unterschiedlichen Konfigurationen und Erweiterungen stellen zusätzliche Anforderungen an das Configuration-/Release-Management und das Thema des Deployments im Allgemeinen.

Bereits diese wenigen Punkte lassen erahnen, was hier auf das Projektteam an zusätzlichen Aufwand zukommt. Die Schaffung eines eigenen Teams für die Erfüllung von Kundenträumen resultiert in erhöhtem Abstimmungsaufwand, Support, Diskussionen an welcher Stelle Umsetzungen stattzufinden haben. Allen voran stehen Kundenprojekte zudem meist unter Zeitdruck. Da eine Kundenanforderung gerne auch eine Verallgemeinerung an der Basis des Produktes verursacht, wird dieser Zeitdruck über mehrere Teams verteilt und Zeitpläne auch einmal massiv durcheinander gewürfelt.

Fixe Rahmenbedingungen für die Produktentwicklung

Alles ändert sich, laufend. So ist das in der Softwareentwicklung und dem sollte (muss) auch Rechnung getragen werden. In der Produktentwicklung bedarf es jedoch einiger fixen Säulen. Diese sind anfangs klar zu definieren und an ihnen sollten alle Vorgänge gemessen werden.

Dabei geht es zumindest um das zu lösende Problem und das gewählte Geschäftsmodell. Änderungen an einer dieser beiden Säulen hat massive Auswirkungen auf das gesamte Produkt plus Anhang.

Den eigenen Weg finden

Man kennt es: Da sieht man hier etwas, dann dort. Überall Informationen, Konzepte und Pläne, die auch das eigene Produkt bereichern würden. Dies ist vor allem dann ausgeprägt, wenn sich potentielle Konkurrenten am Zielmarkt tummeln. Das ist wunderbar und kann eigene Ideen ungemein bereichern, jedoch sollte man sich nicht davon vorrangig treiben lassen. Meist ist der eigene Produkt-Ansatz ein anderer und somit können unterschiedliche Ideen oft gar nicht so einfach kombiniert werden bzw. muss die Sinnhaftigkeit in Frage gestellt werden.

Das eigene Produkt muss eine eigene Persönlichkeit bekommen und dies auch vermitteln. Werden Eigenheiten anderer Produkte angenommen, ist dies nicht mehr möglich. Das eigene Produkt erscheint als Flickwerk. Das gilt es unbedingt zu vermeiden.

Daher Ideen/Umsetzungen der Konkurrenz beobachten und durchaus einmal längere Zeit “sitzen” lassen. Erstens muss man nicht alles haben, was die Konkurrenz hat und zweitens kann man das mit ein wenig Abstand und weniger eigenen Druck sicherlich besser machen.

Fazit

Wer ein Produkt für die Masse entwickelt, weiß wie schwierig diese Aufgabe ist. Vor allem, wenn das Unternehmen klein ist und Kundenanfragen nur sehr ungern abgelehnt werden. Nichts desto trotz muss man sich für eine Richtung entscheiden. Ein erfolgreiches Produkt zu schnüren und gleichzeitig den Kunden alle Wünsche zu erfüllen wird nicht möglich sein.

Über den Autor

Norbert Eder

Ich bin ein leidenschaftlicher Softwareentwickler und Fotograf. Mein Wissen und meine Gedanken teile ich nicht nur hier im Blog, sondern auch in Fachartikeln und Büchern.